Der Boxer:
Ein empfindliches Verdauungssystem

Wie bei allen großen Hunden ist das Verdauungssystem beim Boxer empfindlicher als bei kleinen Hunden. Besitzer von Boxern wissen es: Verdauungsstörungen sind nicht selten, wenn der Hund beim Fressen gestört wird oder wenn er allgemein körperlich sehr beschäftigt wird, z.B. im Hundesport.
Diese Verdauungsprobleme erklären sich im Allgemeinen durch eine Störung des Darmtransits, insbesondere im Dickdarm: Er stellt 80 bis 90 % der Gesamtdauer des Darmtransits dar (Weber et al., 2003).
Bei längerem Dickdarmtransit erhöht sich die Kontaktzeit zwischen den unverdaulichen Resten und der mikrobiellen Darmflora, was wieder-um die Gärungsprozesse und damit Bildung schlecht riechender Substanzen verstärkt, wie Ammoniak, aromatische Amine, Indole und Phenole, Schwefelverbindungen.
Zur Darmgasbildung (Flatulenz) kann es zu jeder Tageszeit kommen. Auch wenn die riechenden Moleküle im Allgemeinen nur 1% der Gesamtmenge der gebildeten Gase darstellen (der Rest sind geruchslose Gasverbindungen: Wasserstoff, Methan, Kohlenstoffgas), handelt es sich um ein besonders unangenehmes Phänomen, wenn der Hund in der Wohnung oder im Auto ist.

Wenn umgekehrt die Dauer des Darmtransits sich stressbedingt verkürzt, reduziert sich die Aufnahmezeit der Flüssigbestandteile und der Mineralien der verdauten Nahrung. Dies erhöht wiederum den Feuchtigkeitsgehalt des Stuhls und beeinträchtigt dessen Qualität. Es könnte auch erklären, weshalb nach einer Anstrengung oft weicher Stuhl oder Durchfall zu beobachten ist.
Außer den physiologischen Variationen der Darmtransitzeit zeigt der Boxer eine Veranlagung für bestimmte Verdauungsstörungen, die vom Besitzer erkannt werden müssen, um sie besser vermeiden oder behandeln zu können.

Ein weiteres klassisches Leiden beim Boxer: Die chronische Darmentzündung, die je nach Art der Zellen, die die Darmschleimhaut und –unterschleimhaut bilden, unterschiedliche Ursachen und Ausprägung haben kann (Dossin & Henroteaux, 2004). Die Symptome – chronischer Durchfall mit Schleim und Blut im Stuhl – erscheinen im Allgemeinen vor dem zweiten Lebensjahr. Eine Untersuchung einer kleinen Gewebeprobe im Labor bestätigt die Diagnose. Die diätetische Therapie besteht darin, für eine besonders hochverdauliche Nahrung mit geringer Wahrscheinlichkeit für Unverträglichkeitsreaktionen zu sorgen. In der Regel stellt sich innerhalb von 2 bis 6 Wochen eine Besserung ein (Dossin & Henroteaux, 2004).